Zum Weltfrauentag 2016: Vorbilder für junge Mädchen

Noch immer liegt bei der Gleichberechtigung vieles im Argen. Allerdings machen es sich Feministinnen oft zu leicht, indem sie die Schuld beim bösen Patriachat suchen. Auch der Ärger über typisches Mädchenspielzeug wie die Barbie-Puppe verfehlt sein Ziel. Schließlich sind Generationen von Mädchen mit Barbie-Puppen aufgewachsen und dennoch emanzipierte Frauen geworden. Wer Mädchen stärken will, sollte ihnen stattdessen die richtigen Vorbilder mit auf den Weg geben. Mädchen, die sich an spärlich bekleideten Popsängerinnen wie Rihanna und Miley Cyrus orientieren oder an „Reality-Persönlichkeiten“ wie den Kardashians werden davon nur eines lernen: Das Sex und Schönheit das einzige ist, was zählt. Auch die Jugendliteratur hat in den letzten Jahren einige fragwürdige Vorbilder geschaffen wie „Twilight“-Hauptfigur Bella, deren gesamte Existenz auf die Männer in ihrem Leben ausgerichtet ist. Zum Weltfrauentag daher hier einige reale und fiktive Vorbilder für Mädchen:

Literarische Heldinnen für kleine Mädchen

weltfrauentag2016

Die wunderschöne Prinzessin, die in ihrem Turm auf den rettenden Prinzen wartet? Das muss nicht sein. Für Mädchen jeden Alters gibt es emanzipierte Vorbilder. Altbekannte Heldinnen sind zum Beispiel Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf und die nicht weniger starke Ronja Räubertochter. „Tintenherz“-Autorin hat mit der frechen Piratin Molly in „Käpten Knitterbart und seine Bande“ ebenfalls eine prima Heldin für kleine Mädchen geschaffen. Eine überraschend aktuelle Heldin ist auch Roald Dahls „Matilda“, die sich mit ihren geistig eher sparsamen Eltern und der tyrannischen Schulleiterin Miss Trunchbull (Fräulein Knüppelkuh in der deutschen Übersetzung) herumärgern muss.

Für ältere Mädchen gibt es natürlich ebenfalls Vorbilder wie die schlaue Hermine aus JK Rowlings „Harry Potter“-Serie, die ihren beiden Freunde Harry und Ron oft genug aus der Patsche hilft. In der Jugendliteratur, die heute gerne als „Young Adult“ bezeichnet wird, gab es in den letzten Jahren wohl keine bessere Heldin als Katniss Everdeen aus der „Tribute von Panem“-Trilogie von Suzanne Collins. Mit Katniss gab es erstmals eine weibliche Heldin, bei der das Geschlecht überhaupt nicht thematisiert wird und der auch keine künstliche Liebesgeschichte aufgezwungen wird. Im Gegenteil: Ihre beiden Verehrer lässt sie warten – die Rettung der Welt hat Priorität. War Katniss möglicherweise auch Wegbereiterin für Rey, die von Daisy Ridley verkörperte junge Heldin des neuen Star Wars-Abenteuers „Das Erwachen der Macht“? Auch bei Rey wird erfrischend wenig Aufhebens um ihr Geschlecht gemacht und eine Romanze wird ihr auch nicht aufgezwungen.

Vorbilder in der realen Welt

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Geht es um Vorbilder für Mädchen in der realen Welt, fällt meist zunächst der Name Malala. Die pakistanische Kinderrechtlerin Malala Yousafzai kämpfte bereits mit 11 Jahren für das Recht der Mädchen auf Bildung, nachdem die radikalislamische Taliban in ihrer Heimat begonnen hatte, Schulen für Mädchen zu zerstören. Mit 15 Jahren wurde sie bei einem Attentat der Taliban schwer verletzt und erlangte weltweite Bekanntheit. 2014 erhielt sie den Friedensnobelpreis Für jedes Mädchen sollte Malalas Mut eine Inspiration sein und ihre Biografie „Ich bin Malala“ jedem Mädchen im Westen vor Augen halten, wie es um die Frauenrechte in vielen Regionen der Welt bestellt ist.

Natürlich ist Malala nicht das einzige Vorbild für junge Mädchen. Marie Curie wird gerne als Vorbild für naturwissenschaftlich interessierte Mädchen genannt, denn die junge Polin setzte sich gegen alle Widerstände durch, zog nach Paris, wo sie als Frau studieren durfte und gewann später die Nobelpreise für Chemie und Physik, eine Leistung, die sie mit nur einem einzigen anderen Menschen (Linus Pauling) teilt. Aber auch andere Frauen gewannen Nobelpreise: So Maria Goeppert-Mayer, die 1963 den Nobelpreis für Physik gewann und Dorothy Crowfoot Hodgkin, die 1964 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde. Und wer kennt heute noch Ada Lovelace, die schon Mitte des 19. Jahrhunderts eine „Analytical Engine“ erfand und damit als erster Programmierer der Welt gilt – hundert Jahre vor der Erfindung des modernen Computers?

Gute Vorbilder sind übrigens auch im sportlichen Bereich zu finden, wo statt Magermodellen und künstlich aufgepolsterten und mit Make Up zugekleisterten Pseudoberühmtheiten durchtrainierte natürliche Frauen im Mittelpunkt stehen – seien es Tennisspielerinnen wie die Australian Open-Gewinnerin Angelique Kerber oder die Stars der Damen-Fußballnationalmannschaft.

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