Frauenwahlrecht

Ein langer Kampf der Frauenbewegung war nötig, bis Frauen in westlichen Staaten das Frauenwahlrecht zugebilligt bekamen. Frauen gingen ins Gefängnis dafür, um zu erreichen, dass sie und andere Frauen wählen gehen durften. Dabei ging es nicht nur um das passive Wahlrecht (Wählen gehen) sondern auch um das aktive Wahlrecht (gewählt werden).

Geschichte Frauenwahlrecht

Der Kampf um das Frauenwahlrecht begann im 18. Jahrhundert. Im Zeitalter der Aufklärung wurde der erste Ruf in Frankreich laut.

Olympe de Gouges

Eine der ersten, die öffentlich und laut forderte, dass Frauen dem Mann gleich wäre war die Französin Olympe de Gouges. Im Jahre 1789 kam es in Frankreich zur Revolution. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit wurde gefordert, und schon das Wort Brüderlichkeit machte deutlich, es ging um die Rechte der Männer. Olympe de Gouges verfasste im Laufe der Französischen Revolution einige politische Schriften, unter diesen auch die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin. Diese veröffentlichte sie im September 1791. Ihre Forderungen blieben ungehört. Als es in Frankreich im Verlauf der Revolution zur Terrorherrschaft kommt, wird sie verhaftet. Es folgt ein kurzer Schauprozess und im November 1793 die Hinrichtung in Paris. Sie war Revolutionärin, Frauenrechtlerin, Schriftstellerin und schrieb nicht nur Romane, sondern auch Theaterstücke. Sie geriet dennoch nicht ganz in Vergessenheit, aber es dauerte bis zum Ende des 20. Jahrhundert ehe sie in Frankreich Ehrungen erfuhr.

Frauenwahlrecht Liste

Diese Liste ist nicht vollständig, es werden eher auch Höhepunkte aber auch Tiefpunkte vorgestellt.

1893      Neuseeland ist der erste Staat überhaupt, in dem Frauen zumindest das aktive Wahlrecht erhalten. Erst 1919 erhalten Frauen auch in Neuseeland das passive Wahlrecht. Es dauert aber bis 1933, bis die erste Frau ins nationale Parlament gewählt wurde. 1902 erhalten auch in Australien Frauen das Wahlrecht. Zumindest weiße Frauen.

1906 In Europa ist es Finnland, das Frauen das Wahlrecht gewährt. Und 1907 ziehen gleich 19 Frauen ins nationale Parlament ein.

1913 Interessant ist die Entwicklung des Frauenwahlrechts in Norwegen. Allgemein wählen dürfen Frauen erst ab 1913, allerdings erhalten sie als Grundbesitzerinnen oder Ehefrauen von Grundbesitzern zumindest bei Regionalwahlen bereits 1901 ein Wahlrecht. 1907 dürfen eben diese Frauen auch national wählen, 1913 alle Frauen.  

1917 Noch vor der Oktoberrevolution erhalten Frauen im Zaren-Russland das Wahlrecht. Der 20. Juli 1917 wurde von den Frauen als der große Tag gefeiert, an dem die Provisorische Regierung das Wahlgesetz zur Verfassungsgebenden Versammlung bestätigte, in dem die Geschlechter gleichgestellt waren. In der Oktoberrevolution 1917 übernehmen die Bolschewiken die Macht. Auch die nachrevolutionäre Verfassung von 1918 bestätigt dann das Frauenwahlrecht in Russland.    

1918 Während in Deutschland das allgemeine Wahlrecht für Männer bereits 1871 eingeführt wird, dürfen Frauen erst nach dem Ersten Weltkrieg wählen. Das aktive und passive Frauenwahlrecht wurde durch den Aufruf des Rates der Volksbeauftragten an das Deutsche Volk 1918 eingeführt und erstmals 1919 ausgeübt. Bei den Wahlen am 19. Januar 1919 nutzen 80 Prozent der wahlberechtigten Frauen (17 Millionen) ihr neues Recht. 300 Frauen kandidieren, 37 weibliche Abgeordnete ziehen auch ins Parlament ein.

1918/1919   Nach dem ersten Weltkrieg erhalten Frauen in sehr vielen Staaten das Wahlrecht. In Europa unter anderem in Polen, Ungarn und Weißrussland. Aber auch Kenia und Simbabwe. In Simbabwe allerdings nur europäische Frauen, in Kenia nur weiße Frauen.                               

1920      Eigentlich erhielten Frauen bereits 1788 das passive Frauenwahlrecht. Wirklich zur Wahl gehen durften sie auf Bundesebene erst 1920. In New Jersey durften vermögende Frauen (und vermögende Männer) bereits 1776 wählen. Als dann dort das allgemeine Wahlrecht auch für nicht vermögende eingeführt wurden, durften Frauen gar nicht mehr wählen.

1928      Vereinigtes Königreich. Ausgerechnet in England bzw. Großbritannien durften Frauen erst ab 1928 zur Wahl. Sie hatten bereits 1918 ein eingeschränktes Wahlrecht erhalten. Ausgerechnet, da gerade in Großbritannien die Suffragetten-Bewegung sehr aktiv war und einige ihrer Vertreterinnen auch im Gefängnis landeten.

1931      In Spanien wird im Jahr 1931 ein Gesetz erlassen, dass den bis dahin geltenden Ausschluss von Frauen, Priestern und Angehörigen des Öffentlichen Dienstes vom passiven Wahlrecht abschaffte. Vom aktiven Wahlrecht bleiben Frauen weiterhin ausgeschlossen. Das allgemeine Stimmrecht erhalten sie aber noch im gleichen Jahr. 1933 dürfen sie auch wählen. Mit Beginn der Franco-Diktatur wird aber das allgemeine Wahlrecht unterdrückt. Nach Ende der Diktatur in Spanien erhalten Frauen aber auch ihr Wahlrecht wieder zurück.

1944      In Frankreich dürfen Männer bereits seit 1848 wählen. Es dauert fast 100 Jahre, bis Frauen auch wählen gehen dürfen und gewählt werden können.

1971      Eins der letzten Länder in Europa, dass auch Frauen das Wahlrecht zubilligte, war die Schweiz. Das passive Wahlrecht erhielten Frauen hier im Februar 1971. Die Schweiz war somit eines der letzten europäischen Länder, welches ihrer weiblichen Bevölkerung die vollen Bürgerrechte zugestanden, doch sie war das erste Land, in dem dies durch eine Volksabstimmung (des männlichen Teils der Bevölkerung) geschah. Bis aber Frauen auch in allen Kantonen wählen durften, dauerte es weitere 20 Jahre.

1974      Noch später als in der Schweiz erhielten Frauen in Portugal 1974 das Wahlrecht. Zuvor durften Frauen zwar wählen, aber nur wenn sie einen bestimmten Schulabschluss nachweisen konnten oder etwas später lesen und schreiben beherrschten.

1984 Lichtenstein war das letzte Land in Europa, das Frauen das Wahlrecht zubilligte.

1994 In Südafrika wird das allgemeine, freie und gleiche Wahlrecht für Männer und Frauen und noch wichtiger für alle Bevölkerungsgruppen eingeführt. Weiße Frauen hatten bereits 1930 das aktive und passive Wahlrecht erhalten. Für Frauen galt hier auch keine Einschränkung, Männer mussten bestimmte Eigentumsschranken überwinden.

In Brunei gibt es kein Wahlrecht. Weder für Frauen noch für Männer. Auf nationaler Ebene ernennt der Sultan einen gesetzgebenden Rat. Von diesen 33 Ratsmitgliedern waren 2021 drei Frauen.

Kein Wahlrecht für Frauen gibt es weiterhin im Vatikanstadt. Hier gibt es nur die Wahl des Papstes. An dieser Wahl dürfen nur Kardinäle teilnehmen. Da Frauen keine Kardinäle werden können, dürfen sie nicht wählen.

Zum Weiterlesen